Im Leben jedes Pferdeliebhabers gibt es sicherlich Pferde, die überdurchschnittlich in Erinnerung bleiben, weil sie eine außergewöhnliche Ausstrahlung haben oder einen besonderen Einfluss auf das eigene Leben hatten. Selbst wenn die Begeisterung generell erst einmal allen Pferden gilt, so ist es wohl auch so, dass einige der Tiere eben doch hervorstechen.
Ich jedenfalls gestehe schon gerne, dass einige Pferde mein Leben besonders geprägt haben. Seit über 20 Jahren habe ich dieses gewisse Faible für Friesenpferde, die ihren Ursprung in Friesland, der nördlichsten Provinz der Niederlande hat. Grundsätzlich ähneln sich Friesen innerhalb der Rasse sehr. Sie sind alle Rappen (manche Glanzrappen, manche eher bräunlich, gräulich oder auch fahlschwarz), laut Stammbuch ist lediglich eine ganz kleine Flocke als Abzeichen erlaubt, ansonsten sind sie eben reine Rappen, haben besonders kadenzierte Grundgangarten, üppiger Behang inklusive ausgeprägtem Kötenbehang (Fesselbehang an den Beinen, auch gerne Federn genannt), weshalb Liebhaber sie gerne „die schwarzen Perlen mit Federn an den Beinen“ nennen. Es sind klassische, leichte Karossiers mit spanischem Blut in den Adern.
Und auch wenn sich Friesen optisch recht ähnlich sind, so sind es eben doch auch Individuen und es zeichnen sich Tendenzen an in einem Typ Pferd, der einem besonders liegt. Seit 2008 hat sich eines dieser Exemplare besonders in meine Gunst geschlichen. Zugegeben, mag es sich nicht um den edelsten und chicsten Vertreter seiner Art handeln, auch wenn ich persönlich ihn wunder-wunderschön finde, aber er ist eben doch ein ganz besonderer Typ. Geboren wurde er unter dem Namen Oepke Gestüt Friesenwiese aus der Zucht von Frau Meinecke-Twele. Als er gekört wurde, erhielt er durch die Vertreter des friesischen Pferdestammbuches den klangvollen Namen Maurus und trägt die Stammbuchnummer 441, weshalb er unter dem Namen Maurus 441 bekannt wurde.
Bereits bei seiner Körung war ich begeistert, wie oben erwähnt, bin ich seit 2008 nahezu ein „Fan“ von ihm. Gekrönt wurde das, als er dann auch im Jahr darauf, 2009, bei der jährlichen Körung der Friesenhengste in Leeuwarden alle anderen Friesenhengste des Stammbuches hinter sich lies und als Körungssieger die Arena verließ. „This is the moment!” The sweetest moment oft hem all. Zu dem gleichnamigen Song aus dem Musical „Jekyll & Hyde“ stapfte er als Champion durch diese Arena und brachte das Publikum zum Jubeln und Staunen. Manchen, so auch mir, trieb er sogar die Tränen in die Augen und schickte eine Gänsehaut auf die Reise, die sich Millimeter für Millimeter über den ganzen Körper verteilte. Es war einer dieser Augenblicke, die man sein Leben lang nicht vergisst.
Maurus ist so ein Trabwunder; wenn gleich sein Schritt im Vergleich zu einigen seiner Kollegen manchmal hinten dran blieb. Sobald er sich in den Trab setzt, meint man schon fast, er schwebt förmlich. Eine unglaubliche Vorderhandmechanik mit freier Schulter in Kombination mit einer wahnsinnigen Aufrichtung, prädestiniert ihn förmlich zu einem Fahrpferd, weshalb er auch vor allem vor dem Showwagen auch im Turniersport sehr erfolgreich war.
Mittlerweile sind einige Jahre ins Land geflossen und auch wenn es schon einige Zeit her ist, seit ich die Gelegenheit hatte, Maurus auf seiner damaligen Deckstation persönlich zu besuchen, so bleibt die Faszination für den sich auch im Alter immer noch frisch präsentierenden Maurus.
Wie auch sein Vater Tsjalke und dessen preferenter Vater Leffert, so ist auch Maurus einfach ein klassischer Friese mit sehr viel Front und eben dieser enormen Aufrichtung.
Ein Traum in schwarz der als Vertreter der Friesenpferde diesen alle Ehre macht.
Diese kleine Hommage an diesen besonderen Friesenhengst möchte ich allen widmen, die sich – auch in diesen Zeiten der vielen Krisen und Kriege – noch für ihre Leidenschaften begeistern können und sich nicht verbiegen. Es ist, was es ist, sagt die Liebe!
Maurus, ich wünsche Dir noch viele viele, hoffentlich gesunde Jahre und den Menschen um Dich herum ein Dank für die tollen Präsentationen und weiterhin die Leidenschaft zum Pferd. Ohne all das würde uns hier mächtig etwas fehlen!
Maurus im Steckbrief!
🧬 Allgemeine Informationen
- Name: Maurus 441 Sport (ursprünglich: Oepke)
- Geburtsdatum: 29. April 2004
- Rasse: Friese
- Farbe: Rappe
- Stockmaß: 167 cm
- Zuchtlinie: Stam 27
- Züchter: Chr. Meinecke-Twele, Glüsingen, Deutschland
- Besitzer: A.P. Both & S. J. Kat b.v., Niederlande
🐎 Abstammung
- Vater: Tsjalke 397
- Mutter: Wytske van de Leidijk (Ster)
- Muttervater: Krist 358
🏆 Leistungen & Titel
- Gekört: 2008
- Abstammungskörung: 2013 (lebenslang gekört)
- Sportprädikat: Ja – Schwerpunkt im Fahren
- Champion der Hengstkörung: 2009
- Erfolge:
- Mehrfacher Sieger in der Open Klasse
- Kampioen in der Ehrenklasse (Tuigen) 2010–2013
📊 Examenbewertungen
Reiten:
- Schritt: 6,5
- Trab: 7,0
- Galopp: 6,5
- Gesamt: 72,5 Punkte
Fahren:
- Schritt: 6,5
- Trab: 7,0
- Showwagen: 8,5
- Gesamt: 79,0 Punkte
🧬 Genetik & Gesundheit
- Inzuchtfaktor: 1,76 %
- Verwandtschaftsgrad: ca. 17,7 %
- Genträger: Kein Wasserkopf, kein Zwergenwuchs
📍 Deckstationen
- De Nieuwe heuvel, Lunteren (NL)
- Friesenstall Marschhorst (bis 2019)
- Deckstation Kathrin Stehr, Klein Meckelsen
- Aktuell: Hengstenstation It Heechsan, NL











































































































































































































